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Neon

Ein Eintrag aus einer meiner Lieblingszeitschriften hat mich heute echt berührt. Ich musste lachen und weinen. Dieser text erinnert mich sehr an meine eigenen Gefühle, die ich gegenüber meiner früheren besten Freundin hege.

Ich vermisse dich irgendwie.

 

Heute saß ich kurz auf der kalten, weißen Fensterbank. Weißt du noch? Die, die zum Balkon führt. Da konnten wir wunderbar sitzen und dem Regen zuschauen. Leise stießt du kleine Rauchwolken aus deinem Mund oder nahmst einen Schluck aus der Flasche neben dir. Manchmal, wenn wir uns besonders gut fühlten, gingen wir über den Balkon auf unser Dach. Die großen Schrauben bohrten einem unangenehme Dellen in den Körper, und kleine Klumpen Erde hinterließen hässliche Flecken. Trozdem haben wir dort lange gelegen, manchmal bis in die Nacht. Deine Lederjacke fühlte sich so angenehm warm an und roch nach deinem immer gleichen Deo. Einmal hast du in dein Handy geschaut und eine Notiz für in drei Jahren eingegeben. "Da werden wir um die Welt fahren". Wir haben uns angelächelt und in den Himmel geschaut.

Heute lag ich in meinem Bett, weißt du noch? Unter der lilanen Bettdecke hast du mit einer Dose Haarspray gelegen und dir idiotische Frisuren gemacht. Manchmal hast du mir vorgelesen und warst ganz verdutzt, als ich dich angesehen habe und vor lauter Freundschaft zu dir einfach lachen musste.Wenn es Tage ohne dich in meinem Bett gab, dann hast du angerufen. Manchmal viel zu spät. Manchmal bekifft. Manchmal betrunken. Dann habe ich gesagt, du kannst im Parkhaus schlafen, aber nicht bei mir. Gemeint habe ich das nie so. Wenn ich krank war, wolltest du mit Pizza und deinem Kunstbild vorbeikommen. Bei mir würdest du damit weiterkommen, hast du immer erzählt, aber vielleicht doch lieber mit Schokopudding. Dann habe ich geschmunzelt und war froh dich zu haben.

Heute habe ich deine Exfrreundin gesehn, weißt du noch? Die, die dich so verletzt hat. Ich erinnere mich noch gut an den Tag, wo du mich gefragt hast, wieso es so schwer ist sein Glück zu finden und wieso es so weh tut und wie du nicht zur Schule kamst, weil du sie nicht sehen wolltest. Obwohl du dir extra eine rote Wolljacke mit Bommeln gekauft hast. Wie du mich dreimal am Tag angerufen hast, um mich zu fragen, wie es weitergehen soll. Wie ich mich dabei einfach nur in die Sonne auf den Balkon gesetzt habe und dir das gereicht hat. Oder wie wir rauchend in einem Gebüsch saßen, eine furchtbare Hitze in der Luft lag und du mir erzählt hast, dass sie lesbisch sei. Wie du lachen musstest und ich bemerkt habe, wie sehr mir dein Lachen gefehlt hat.

Heute habe ich die alte Sandmanflasche gefunden, weißt du noch? Die, die so widerlich geschmeckt hat. Worauf du Brandflecken in meinem Laminat hinterlassen hast, ohne es zu bemerken. Wie ich dir die Haare beim Kotzen halten durfte. Wie du um mein Haus gerannt bist, mit einer Gitarre auf dem Rücken und laut geschrien hast, während ich mich drinnen versteckte, oder wie ich dir nachts heimlich den Tabak aus dem Fenster geworfen habe.

Heute habe ich unsere Sprayereien an der Schule gesehn, weißt du noch? Wie wir nachts los sind, uns leise davon gestohlen haben. Wie die Nacht gerochen hat und dass unsere Herzen warm und erfüllt waren. Wie wir zum ersten Mal klar rebelliert haben. Wie du mir tierisch auf den Geist gegangen bist, ich dich aber nie gehen lassen wollte. Und trotzdem war das unsere letzte Begegnung.

Wenn du jetzt in Kanada einen Schluck Sandman trinkst und an der Zigarette ziehst, hoffe ich manchmal, dass du an mich denkst. Dass du heimlich unsere Weltreise austüftelst, der Nacht ein Buch vorliest und genauso stolz bist wie ich, wenn ich sagen kann, dass du mein bester Freund warst.

30.10.09 20:41
 


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